Vielleicht kennst du das:

In einer Situation bist du unglaublich klar und entschlossen. Du setzt eine Grenze, sagst Nein und weißt genau, was du willst.

Und dann gibt es Momente, in denen du plötzlich ganz anders bist. Sensibel. Vorsichtig. Bedürftig nach Ruhe. Vielleicht sogar voller Zweifel.

Und manchmal fragst du dich:

Welche Version von mir bin ich denn nun eigentlich?

Meine Antwort darauf wäre: alle.

Denn wir sind nicht nur eine Version von uns.

Wir tragen unterschiedliche innere Kräfte, Seiten und Qualitäten in uns. Manche davon kennen wir sehr gut. Andere zeigen sich nur in bestimmten Lebensphasen. Manche haben wir vielleicht jahrelang klein gehalten. Und wieder andere haben wir irgendwann gelernt, gar nicht mehr zu zeigen.

Genau hier finde ich die Arbeit mit Archetypen so spannend.

Wir sind nicht nur eine Rolle

Archetypen können uns dabei helfen, unsere inneren Kräfte sichtbar zu machen.

Nicht als Schubladen.

Nicht als festgelegte Persönlichkeitstypen.

Und schon gar nicht als: „Du bist eben so.“

Ganz im Gegenteil.

Für mich sind Archetypen eher innere Bilder und Qualitäten, die uns helfen können, unterschiedliche Seiten in uns zu erkennen.

Da ist vielleicht die Kraft der Verwurzelung.

Die Kraft der Klarheit.

Die Kraft der Fürsorge.

Die Kraft des Mutes.

Die Kraft der Rebellion.

Die Kraft der Vision.

Die Kraft der Leichtigkeit.

Die Kraft des Loslassens.

Und vielleicht merkst du schon beim Lesen: Manche dieser Qualitäten fühlen sich sofort vertraut an. Andere lösen vielleicht Widerstand aus. Oder Sehnsucht.

Auch das kann spannend sein.

Denn manchmal liegt genau dort etwas, das wir lange nicht gelebt haben.

Alles in uns darf einen Platz haben

Ich glaube nicht daran, dass wir eine bestimmte Seite von uns „wegmachen“ müssen, um mehr bei uns anzukommen.

Vielleicht bist du manchmal stark.

Und manchmal weich.

Vielleicht bist du mutig und gleichzeitig ängstlich.

Vielleicht liebst du Freiheit und brauchst gleichzeitig Sicherheit.

Vielleicht bist du eine Macherin – und musst trotzdem lernen, dich auszuruhen.

Vielleicht bist du unglaublich fürsorglich – und darfst gleichzeitig lernen, dich selbst nicht ständig hintenanzustellen.

Das eine macht das andere nicht ungültig. Und um ehrlich zu sein, ich kenne das von mir persönlich sehr gut, gleichzeitig vermeintlich gegensätzliche Anteile in mir wahrzunehmen. Es gab Zeiten, da fand ich das sehr schwierig, weil es eine Form von gefühlter „Zerrissenheit“ in mir auslöste und ich mich durchaus hinterfragte. Heute sehe ich das komplett anders, ich bin in Frieden damit.

Unsere inneren Kräfte müssen sich nicht bekämpfen.

Sie dürfen miteinander existieren.

Und sie dürfen unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

Welche Kraft brauchst du gerade?

Das finde ich besonders spannend:

Nicht jeder innere Anteil muss immer gleich laut sein.

Es gibt Lebensphasen, in denen wir vielleicht ganz besonders die verwurzelte Kraft in uns brauchen.

Wir müssen ankommen. Stabilität finden. Uns selbst wieder spüren.

Dann gibt es Situationen, in denen die Mutige nach vorne treten darf.

Oder die Klarheit.

Oder die rebellische Seite, die endlich sagt:

„Nein. So nicht mehr.“

Und manchmal brauchen wir die Sanfte.

Diejenige, die nicht kämpft, sondern sich selbst hält.

Diejenige, die anerkennt:

Ich muss hier gerade gar nichts leisten.

Vielleicht geht es also gar nicht darum, herauszufinden, welcher Archetyp „wir sind“. Denn so funktioniert es nicht. Das wäre eine Schublade.

Vielleicht geht es vielmehr darum, zu entdecken:

Welche innere Kraft steht mir gerade zur Verfügung – und welche davon darf ich bewusst aktivieren?

Ein Perspektivwechsel, der unglaublich viel verändern kann und ein sehr guter Coaching-Impuls sein kann.

Denn statt über Probleme oder Eigenschaften zu sprechen, können wir mithilfe dieser Sichtweise Ressourcen sichtbar machen.

Wir können uns fragen:

Welche innere Kraft steht mir zur Verfügung?

Welche habe ich bisher vielleicht unterschätzt?

Welche habe ich lange nicht gelebt?

Welche darf stärker werden?

Und vor allem:

Wie kann ich diese Qualität konkret in meinem Leben verkörpern?

Denn Selbstreflexion allein verändert noch nicht unbedingt etwas.

Spannend wird es, wenn aus einer Erkenntnis eine Erfahrung wird.

Und genau hier kommt Yoga ins Spiel

Yoga bietet dafür einen wunderbaren Zugang.

Denn innere Qualitäten lassen sich nicht nur denken.

Sie lassen sich spüren.

Eine kraftvolle Körperhaltung kann beispielsweise ein Gefühl von Stabilität und Selbstsicherheit unterstützen.

Eine bewusste Ausrichtung kann Klarheit und Präsenz erfahrbar machen.

Langsame, erdende Bewegungen können uns mit Ruhe und Verwurzelung verbinden.

Dynamische Flows können Mut, Energie und Entschlossenheit aktivieren.

Und über den Atem können wir lernen, wahrzunehmen, was gerade in uns passiert – ohne sofort darauf reagieren zu müssen.

Das ist für mich Embodiment:

Nicht nur zu wissen, dass eine bestimmte Kraft in mir existiert.

Sondern sie über den Körper erfahrbar zu machen.

Vom inneren Anteil zur gelebten Qualität

Vielleicht kennst du das:

Du weißt eigentlich, dass du Grenzen setzen solltest.

Aber du spürst diese Grenze noch nicht wirklich.

Oder du weißt, dass du mutiger sein möchtest.

Aber dein Körper macht sich klein, sobald es darauf ankommt.

Oder du weißt, dass du mehr Ruhe brauchst – und trotzdem fällt es dir schwer, wirklich loszulassen.

Hier kann die Verbindung von Coaching und Yoga unglaublich spannend werden.

Wir reflektieren nicht nur:

„Was brauche ich?“

Sondern wir erforschen auch:

„Wie fühlt es sich in meinem Körper an, wenn ich diese Qualität verkörpere?“

Wie steht eine mutige Version von mir?

Wie atmet eine verwurzelte Version von mir?

Wie bewegt sich eine freie Version von mir?

Wie fühlt sich Selbstsicherheit in meinem Körper an?

Und plötzlich wird aus einem Gedanken eine körperliche Erfahrung.

Mehr Selbstverständnis. Mehr Wahlmöglichkeiten.

Je besser wir unsere inneren Kräfte kennen, desto größer kann unser Handlungsspielraum werden. Ich habe es an mir selbst erlebt.

Denn dann müssen wir nicht immer automatisch aus demselben Muster heraus reagieren.

Wir können bewusster wählen.

Vielleicht braucht eine Situation gerade nicht die Macherin.

Vielleicht braucht sie die Weise, die erst einmal zuhört.

Vielleicht braucht sie nicht noch mehr Leistung.

Sondern die Fähigkeit, loszulassen.

Vielleicht braucht es nicht Harmonie.

Sondern die Rebellin, die endlich eine Grenze setzt.

Selbstentwicklung bedeutet dann nicht, einen bestimmten Teil von uns loszuwerden.

Sondern unser inneres Repertoire zu erweitern.

Die Frage ist nicht: „Wer bin ich?“

Vielleicht ist eine der spannendsten Fragen deshalb nicht:

„Welcher Archetyp bin ich?“

Sondern:

„Welche inneren Kräfte leben in mir – und welche davon möchte ich gerade stärker in mein Leben einladen?“

Denn wir sind nicht entweder stark oder weich.

Nicht entweder mutig oder vorsichtig.

Nicht entweder unabhängig oder verbunden.

Wir können vieles gleichzeitig sein.

Wir sind nicht entweder/oder.
Wir sind auch.

Und genau darin liegt eine große Freiheit.

Ein kleiner Coaching-Impuls

Nimm dir einen Moment Zeit und frage dich:

Welche meiner inneren Kräfte ist gerade besonders laut?

Und dann:

Welche ist gerade eher leise?

Vielleicht gibt es eine Qualität, die du gerade besonders brauchst.

Mut?
Klarheit?
Ruhe?
Selbstvertrauen?
Leichtigkeit?
Verbindung?
Grenzen?
Verwurzelung?

Und dann geh einen Schritt weiter:

Wie könnte ich diese Qualität heute nicht nur denken, sondern verkörpern?

Vielleicht durch eine Entscheidung.

Eine Bewegung.

Einen Atemzug.

Ein Nein.

Ein Ja.

Oder einfach dadurch, dass du dir selbst erlaubst, diese Seite von dir wieder wahrzunehmen.

Denn vielleicht geht es bei der Reise der inneren Kräfte gar nicht darum, eine neue Version von uns zu werden.

Vielleicht geht es darum, mehr von dem kennenzulernen, was bereits in uns lebt.

Mehr Bewusstsein.

Mehr Selbstverständnis.

Mehr Wahlmöglichkeiten.

Mehr Selbstsicherheit.

Und dadurch vielleicht auch mehr Freiheit, das eigene Leben so zu gestalten, wie es sich wirklich stimmig anfühlt.

Was für eine Chance.

Denn manchmal beginnt die Reise zu uns selbst genau dort:

wenn wir aufhören, uns auf eine einzige Version von uns festzulegen – und anfangen, unsere ganze innere Vielfalt zu entdecken. Feel Alive!

Herzlichst,

deine Katharina

PS: Im Exhale Flow Club (Donnerstagabends) beschäftigen wir uns u.a. mit diesen Aspekten und verpacken sie in wunderschöne Yogasessions (inkl. Coaching-Impulsen), die dich wirklich nähren. Lass dich inspirieren und sei willkommen 🙂

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